Schimmel verstehen

Schimmel ist fast nie ein Bauschaden. Es ist Wasser aus Ihrer Luft.

Kein Vorwurf – nur Physik. Diese Seite zeigt in zwei Minuten, wo das Wasser herkommt, warum Sie es nicht sehen und wie Sie es mit ein paar Minuten Lüften am Tag verhindern.

So funktioniert es
Mann steht selbstbewusst an einer trockenen weißen Wand neben einem gekippten Fenster – Hygrometer zeigt 45%
Frau blickt schockiert auf schimmelige Wandecke, während Wäsche im Wohnzimmer trocknet – Hygrometer zeigt 70%
Worum es geht

Die Luft in einer Wohnung ist voller Wasser – man sieht es nur nicht.

Jeder Atemzug, jede Dusche, jeder Kochtopf und jede nasse Wäsche gibt Wasser an die Raumluft ab. Solange die Luft warm ist, bleibt dieses Wasser unsichtbar. Zum Problem wird es erst an kalten Stellen – am Fenster, in Zimmerecken, hinter dem Schrank an der Außenwand.

Rechnen Sie nach

Wie viel Wasser wohnt bei Ihnen mit?

Ein grober Überblick, wie viel Feuchtigkeit an einem normalen Tag in Ihrer Raumluft landet. Alles Wasser, das irgendwohin muss – nach draußen oder in die Wände.

ca. 5,0 L
Wasser pro Tag in Ihrer Raumluft – das entspricht 10 Wasserflaschen (0,5 L). Kochen und Duschen sind hier schon mitgerechnet.
Der physikalische Ablauf

Vom unsichtbaren Dampf zum nassen Fleck

01

Warme Luft trägt Wasser

Je wärmer die Luft, desto mehr unsichtbaren Wasserdampf kann sie halten. Ein geheiztes Zimmer ist wie ein voller Schwamm aus Luft – prall gefüllt, aber man sieht nichts.

02

Kalte Flächen sind die Falle

Trifft die warme, feuchte Luft auf eine kalte Fläche, kühlt sie ab und kann das Wasser nicht mehr halten. Es fällt aus – als Tropfen.

Genau wie im Auto: Zwei Menschen atmen eine Nacht lang, morgens läuft das Wasser an den Scheiben herunter. In der Wohnung passiert das am kalten Fenster – und an kalten Wänden.
03

Unsichtbar in der Wand

Am Glas sehen Sie das Wasser. In Tapete, Farbe und Putz sehen Sie es nicht – dort zieht es ein. An „Kältebrücken", etwa Zimmerecken an der Außenwand hinter einem Schrank, bleibt die Wand ständig leicht feucht.

Zum Ausprobieren

Ab wann wird die Wand feucht?

Stellen Sie Ihr Raumklima und die Temperatur einer kalten Außenwand-Ecke ein. Sie sehen sofort, wann das Wasser aus der Luft an der Wand hängen bleibt – oft lange bevor man es mit dem Auge erkennt.

Taupunkt
12 °C
Feuchte an der Wand
94 %
Schimmelgefahr. Die Wand ist dauerhaft feucht genug für Schimmel – auch ohne sichtbares Wasser. Jetzt hilft nur regelmäßiges Lüften.
Die dunkle Ecke links unten ist die kalte Außenwand-Ecke – dort schlägt sich das Wasser zuerst nieder.
Die Folge

So entsteht der Schimmel

Schimmelsporen und feiner Staub schweben in jeder Wohnung durch die Luft – das ist völlig normal. Zum Wachsen brauchen sie nur eines: eine dauerhaft feuchte Oberfläche.

Die Lösung

Ein paar Minuten Lüften – jeden Tag

Kein Umbau, keine teure Technik. Die Feuchtigkeit muss einfach regelmäßig nach draußen, bevor sie in die Wände zieht.

Stoßlüften statt Kippen

Fenster mehrmals täglich für 5–10 Minuten ganz öffnen. Ein gekipptes Fenster tauscht kaum Luft und kühlt nur die Wand aus.

Querlüften

Gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen. Die feuchte Luft ist dann in wenigen Minuten draußen.

Schlafzimmer morgens lüften

Über Nacht sammelt sich das meiste Wasser. Direkt nach dem Aufstehen Fenster weit auf.

Nach Dusche & Kochen sofort lüften

Dabei die Tür geschlossen halten, damit sich die Feuchtigkeit nicht in der ganzen Wohnung verteilt.

Möbel von Außenwänden abrücken

Schränke etwa 5–10 cm von kalten Außenwänden wegstellen, damit Luft dahinter zirkulieren kann.

Gleichmäßig heizen

Räume nicht ganz auskühlen lassen. Kalte Wände ziehen Feuchtigkeit an – auch ungenutzte Zimmer brauchen etwas Wärme.

Hygrometer aufstellen

Kostet ein paar Euro. Ideal sind 40–60 % Luftfeuchtigkeit. Dauerhaft über 60 % ist ein klares Warnsignal.

Wäsche möglichst nicht drin trocknen

Eine nasse Ladung gibt Liter an Wasser ab. Wenn es nicht anders geht: Fenster dabei öffnen.

Fachliche Einordnung

Heizen und Lüften in Wohnungen

Merkblatt eines Architekten und Bausachverständigen – wichtige Nutzerinformation

In Zeiten hochdichter Wohnungen mit gedämmten Fassaden und luftdichten Fenstern sind besondere Maßnahmen zum angemessenen Heizen und Lüften zu beachten. Unerwünschte Schimmelpilze entstehen fast immer durch die Kombination aus falschem Lüftungs- bzw. Heizverhalten und dichten Bauteilen. Ursache ist in aller Regel eine zu hohe Luftfeuchte.

Eine Familie produziert typischerweise 8–12 Liter Wasser pro Tag in der Wohnung – durch Waschen, Duschen, Kochen, Pflanzen und die Personen selbst. Früher wurde diese Feuchtigkeit durch undichte Fenster und Wände nach außen transportiert. Bei heutigen dichten Fenstern, Türen und wärmegedämmten Fassaden ist der Abtransport oft nicht ausreichend gesichert – der Pilz „fühlt sich wohl", wächst und gedeiht.

Richtig heizen

  • Möglichst gleichmäßige Temperaturen in allen Räumen, ca. 18–20 °C.
  • Sind unterschiedliche Temperaturen gewünscht, Türen zu weniger beheizten Räumen geschlossen halten. Kühle Räume nicht mit Luft aus warmen Räumen beheizen.
  • Schlafzimmer sollten 16 °C nicht unterschreiten.
  • Ungenutzte Räume ebenfalls beheizen.
  • Alle Heizkörper eines Raumes gleichmäßig temperieren.
  • Heizkörper freihalten – nicht mit Vorhängen oder Möbeln zustellen.
  • Möbel, besonders Betten und Schränke, möglichst an Innenwänden aufstellen. An Außenwänden Abstand zur Luftzirkulation lassen, unten offen.

Richtig lüften

  • Mehrmals täglich 5–10 Minuten lüften. Ziel: die Luft in kurzer Zeit vollständig austauschen – Wärme bleibt in Wänden und Möbeln gespeichert.
  • Querlüften (gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen) hat die höchste Effizienz.
  • Stoßlüften: Fenster oder Fenstertür ganz öffnen.
  • Gekippte Fenster sind ineffizient und in der Heizperiode nicht dauerhaft zu empfehlen – sie kühlen den Raum aus und verschwenden Energie.
  • Vor dem Schlafengehen und bei Nachtabsenkung lüften.
  • In feuchtebelasteten Räumen (Waschen, Duschen, Kochen, viele Pflanzen) sofort weglüften. Wasser, z. B. nach dem Duschen, abwischen.

Lüftungsdauer für vollständigen Luftaustausch

Querlüftenca. 2 Minuten
Stoßlüftenca. 4 Minuten
Gekipptes Fensterca. 30–120 Minuten

Feuchte kontrollieren

  • Hygrometer an einer Außenwand aufhängen. Relative Luftfeuchte möglichst 50–55 % nicht überschreiten. Ein gesundes Raumklima liegt zwischen 30 und 60 %.
  • Bei über 55 % häufiger lüften und/oder mehr heizen.
  • Schwitzwasser an den Scheiben ist ein eindeutiges Signal für zu hohe Luftfeuchte und ungenügendes Lüften oder Heizen.
  • Feuchtequellen reduzieren – wenige Pflanzen, Wäsche nach Möglichkeit außerhalb der Wohnung trocknen (Balkon, Wäscheraum).
Fazit: Ausreichend und kontinuierlich lüften und heizen, um die Gefahr einer Pilzbildung zu vermeiden. Die Feuchte kommt fast immer von innen aus der Raumluft – nur in seltenen Fällen liegt ein Bauschaden vor. „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Bauingenieur oder Architekten."
Bausachverständiger
Aufgestellt vom ArchitekturbüroDipl.-Ing. Architekt & Bausachverständiger
Grundlage: Merkblatt „Heizen und Lüften in Wohnungen"